Die Analytische Psychologie wurde von Carl Gustav Jung (1875-1961) begründet und gehört zusammen mit der Psychoanalyse Freuds und der Individualpsychologie Adlers zu den klassischen tiefenpsychologischen Richtungen. Auch wenn sich die Analytische Psychologie auf C.G. Jung begründet, ist sie von vielen Kolleg*innen weiterentwickelt worden, dies sind u.a. Emma Jung, Jolande Jacobi, Daniela Jaffé, Erich Neumann, Michael Fordham, Marie-Louise von Franz, Robert A. Johnson, James Hillman, Verena Kast, Murray Stein.
Die Analytische Psychologie geht wie die Psychoanalyse von unbewussten Anteilen der menschlichen Psyche aus. C.G. Jung führte den Begriff des kollektiven Unbewussten ein und beschäftigte sich mit der Existenz, Bedeutung und Dynamik der archetypischen Dimension der Psyche. Sowohl für die Idee des Archetypischen als auch für seine anderen theoretischen Konzepte suchte er nach Vorläufern und Parallelen in der Kultur- und Geistesgeschichte der Menschheit. Für ihn gibt es ohne Geschichte keine Psychologie und keine Psychologie des Unbewussten, weil nur durch den historischen Vergleich der Standpunkt des jeweiligen Beobachters bestätigt und relativiert werden könne.
Im Zentrum der Analytischen Psychologie nach C.G. Jung steht das Selbst und die Individuation, die Entwicklung des Menschen auf ein erweitertes Bewusstsein, eine größere humanitäre Reife und soziale Verantwortlichkeit hin. Im Individuationsprozess soll der Mensch zu dem werden, der er von seinen Anlagen und Entwicklungsmöglichkeiten her ist. Er soll sich die verschiedenen Aspekte seines Wesens bewusst machen, verarbeiten und in sein Leben hinein nehmen. Hierzu gehören beispielsweise seine dunklen Seiten, die Jung unter dem Begriff des Schattens zusammenfasste und die im Gegensatz zu den nach außen dargestellten, gesellschaftlich erwünschten Aspekten stehen . Er soll auch erfahren, dass er als Individuum eine körperlich-seelische Einheit und Ganzheit ist, die Jung in Anlehnung an die indische Philosophie das Selbst nannte und die in einer unauflösbaren Abhängigkeit und Verbundenheit mit der sozialen Mitwelt und Umwelt steht.
Phanes. Das Göttliche Kind. Aus: Das Rote Buch von C.G. Jung. (Hrsg. Sonu Shamdasani, 2009, Patmos)
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